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30. Juni 2005

Spekulationen über die gesetzliche Rentenversicherung als Wahlkampfthema

von @ 7:50. abgelegt unter Rentenversicherung

Einwurf: Bitte selbst nachdenken und nachrechnen. Sicher, im Wahlkampf soll über alles geredet werden dürfen. Sicherlich darf auch auch über die gesetzliche Rentenversicherung und die Renditeerwartung für Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung geredet werden. In der Rentenversicherung treten dann immer wieder irgendwelche Gurus an die Öffentlichkeit und sagen die Rente sei unsicher oder sicher oder die Renditeerwartung in der gesetzlichen Rentenversicherung sei schlecht oder sie sei gut.

Und je nachdem, was dann ein durchschnittlicher Beitragszahler ist, wieviel er wann einzahlt und welche rentenrechtlichen Zeiten er sonst noch so zurücklegt, kommt dann ma ein gutes Ergebnis raus und mal ein schlechtes Ergebnis raus - jeder so wie er es braucht.

Und flups verschwimmen und verschwinden die Fakten bei der Diskussion um die Rentenversicherung wie schon vorher bei der Diskussion um die Staatsverschuldung oder besser gesagt die Schuldenlüge der CDU. Da wird teilweise sehr durchsichtig populistischer Wahlkampf mit finanzpolitischen Themen gemacht.

Dabei gilt in der Rente um so mehr: die Renditeerwartung ist noch nicht bekannt. Oder kann irgendjemand hellsehen und zum Beispiel sagen sagen, wie hoch der Bundeszuschuss im Jahre 2015 an die Rentenkasse ausfallen wird. Das gilt für private Lebensversicherungen übrigens in der Regel aufgrund der nicht vorhersehbaren Überschußbeteiligung übrigens auch. Ich kann von hier aus, deshalb nur jeden einzelnen für sich aufrufen, sich selbst Gedanken um seine Rente zu machen.

Dabei ist in der privaten Altersvorsorge zumindest eines klar: die Renditeerwartungen aus Sicht der Versicherer sind hervorragend und je mehr Kunden gewonnen werden, desto mehr Geld läßt sich für die Versicherer damit verdienen. Noch mal zum mitschreiben: die privaten Rentenversicherer arbeiten gewinnorientiert.

Der nette Herr Kaiser aus der Werrbung verdient um so mehr, je mehr er seinen Kunden irgendwelchen Blödsinn aufschwatzt und das Fell über die Ohren zieht.

Im Impressum der Webseite der Gurus, von denen die jüngeste Meldung kam, dass es um die gesetzliche Rente ganz schleht bestellt ist, steht:

Gesellschafter des Instituts sind die Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Bauspar AG, DWS Investment GmbH und Deutscher Herold AG, Kooperationspartner ist die Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG.

Wenn man Zeitungsmeldungen der Gurus kommen, dann möge also bitte jeder daran denken, dass für solche Gurus vor allem eines gilt, nämlich: wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

5 Kommentare zum Beitrag “Spekulationen über die gesetzliche Rentenversicherung als Wahlkampfthema”

  1. Tuotrams sprach

    Unsere Lage ist schlimmer als CDU/CSU Wähler wahrhaben wollen - und sehr viel schlimmer als die meisten SPD Politiker sich vorstellen können.

    Aufstand der Professoren
    Deutschlands führende Wirtschaftswissenschaftler fordern in einem gemeinsamen Appell mehr Ehrlichkeit von der Politik. Notwendig seien drastische Reformen

    http://www.welt.../30/739122.html

    Die Thesen der Forscher

    http://www.welt.../30/739120.html

  2. sca sprach

    Alles gut und schön. Doch wenn wir über Rentenversicherung diskutieren, dann bitte über das gesamte Sozialversicherungssystem. Die SPD hat es als SOZIALdemokratische Partei geschafft, daß die Beitragsparität für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ab 1. Juli aufgehoben wird. Auf die Idee war die CDU zwar schon vor ihnen gekommen, aber die SPD tat den entscheidenden Schritt. Bisher bezahlten beide einen gleichen Anteil in die Sozialkassen ein. Künftig bezahlen die Arbeitnehmer 0,9% mehr Eigenanteil in die gesetzliche Krankenversicherung ein. Die Unternehmer werden dadurch entlastet. Nur 0,9%, pah, was ist das schon, möchte man meinen? Sicher ist der Betrag nicht hoch, aber es ist der berühmte erste kleine Spalt im Scheunentor, der sich in den nächsten Jahren immer weiter vergrößern wird. Es wird nicht bei 0,9% bleiben. Genauso wenig werden die Renten steigen, auch wenn die Leute immer noch glauben, daß sie trotz hoher Beitragszahlungen als Rentner eine hohe Rente erwarten dürfen. Denn der mponatliche Beitrag wird ja nicht auf einem einzelnen Konto für jeden einzelnen angelegt, sondern gleich wieder ausgegeben.
    Wir haben es bei der Diskussion um HartzIV gesehen oder bei der Einführung von Studiengebühren oder bei der Diskussion um eine höhere Mehrwertsteuer. Es geht in unserem Land nicht mehr um die Bewahrung einer sozialen Idee oder gar einer solidarischen Gemeinschaft.

    http://wahlen20...5.blogspot.com/

  3. Matthias Albrecht sprach

    @sca: Die paritätische Versicherung gab es schon lange nicht mehr, da ein großer Teil der Sozialversicherungsleistungen eh schon aus Steuermitteln bezahlt wird.

    Im übrigen ist der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungen eh schon in Deinem Lohn eingebongt. Was Du als Bruttolohn auf Deinem Lohnzettel hast, ist natürlich nicht der reale Bruttolohn, wie ein Arbeitgeber damit umgeht. Der sagt sich nämlich: Ich habe 3000 Euro für einen Arbeitsplatz zur Verfügung. Davon ziehe ich erstmal meinen Arbeitgeberanteil ab. Dann mach ich dem künftigen Arbeitnehmer ein Angebot und sage ihm, er kriegt 2.200 Euro brutto.

    Naja, was hat das denn mit Parität zu tun?

  4. H.Horstmann sprach

    Ohne Riester-Renter (sprich: private Altersvorsorge) wird es wohl nicht gehen, wenn man im Alter ein Auskommen haben will.

  5. wirtschaftsweiser_ch sprach

    es geht um die absolute belastung. wenn ich effektiv 50% meines gehaltes durch irgendwelche abgaben verliere, dann ist es mir vollkommen egal durch welche.

    d.h. es können die einen sätze steigen und die anderen sinken und es ist mir egal. es geht um die effektivbelastung und diese muss wirtschaftlich sinnvoll gestaltet sein.

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