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24. Juni 2005

Rechtschreibreform: Die verbindliche Rechtschreibung ab dem 1. August 2005

von @ 19:56. abgelegt unter Standpunkte

Inzwischen habe ich mich schlau zu gemacht, worum es denn bei den aktuellen Beschlüssen zur Rechtschreibreform überhaupt geht. Vorweg kann ich sagen, viel ändert sich nicht.Es gab zwei Beschlüsse, die Kultusministerkonferenz hat am 3. Juni beschlossen, die Rechtschreibreform verbindlich zu machen und die Ministerpräsidentenkonferenz vom 23. Juni hat den Beschluß der Kultusministerkonferenz wegen des Vetos der SPD Minderheit nicht gekippt. Inhaltlich heißt das also nun, dass Teile der neuen Rechtschreibung verbindlich werden und bei diesen Teilen die alte Schreibweise als Fehler angestrichen und gewertet wird.

Wer jetzt glaubt, dass Millionen Schüler nun dank der SPD Ministerpräsidenten jede Menge Fehler angestrichen bekommen, wenn sie so schreiben, wie sie das in den meisten Büchern aus den Bücherregalen der Eltern und Bibliotheken beim Lesen gelernt haben, der irrt. Viel ist das nicht, was da an Teilen nun ab 1. August verbindlich wird.

Verbindlich werden die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Schreibung mit Bindestrich sowie die Groß- und Kleinschreibung, unverbindlich bleiben danach die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Worttrennung, die Interpunktion und den Überschneidungsbereich von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung. Einen Crashkurs, was damit gemeint ist, gibt es auf der Duden-Website. In einem Liebesbrief darf man ab 1. August zum Beispiel nicht mehr “Ich liebe Dich” schreiben, sondern muß “Ich liebe dich”schreiben, auch wenn das kleine “dich” dem Auge der Empängerin oder des Empängers womöglich genauso weh tut wie meinem.

Ein Problem ist auch, dass es in seltenen Fällen nach wie vor schwer ist, zu sagen, welche der selteneren Worte und Audrücke denn genau von der neuen Rechtschreibung erfaßt werden. Was ist also zum Beispiel ein Fall der Groß- und Kleinschreibung und was ist ein Fall des Überschneidungsbereiches von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung?

Da bietet die Firma, die den Duden verlegt, Abhilfe:

“Die 23. Auflage des »Dudens« ist derzeit das einzige deutsche Rechtschreibwörterbuch, das dieser Forderung der Kultusminister voll und ganz entspricht.”

Das Buch kostet 20 Euro. Die Aktiengesellschaft Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, die den Duden verlegt, freut sich sicher, im alleinigen Besitz der richtigen Rechtschreibung zu sein. Und ich denke manchmal, es ging bei dem Unfug der “Rechtschreibreform” überhaupt nur um die 20 Euro.

10 Kommentare zum Beitrag “Rechtschreibreform: Die verbindliche Rechtschreibung ab dem 1. August 2005”

  1. /dev/astator sprach

    Marcel Bartels:
    “Inzwischen habe ich mich schlau zu gemacht,…”

    Ist das schon ein vorweg Nehmen der Grammmatikreform?
    SCNR

    Im denke ich auch, dasss der Duden-Verlag bisher der einzige Profiteur der Rechtschreibreform ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein Beispiel, dasss Demokratie manchmal einfach sein kann: einfach die “Reform” ignorieren. Strafbar wird das wohl hofffentlich nicht.

  2. Tao sprach

    Als Ausländer finde ich die Rechtschreibreform sehr gut. Ich habe so besser Deutsch lernen können. Gut gefällt mir die bessere Fonetik der neuen Schreibungen. Früher wusste ich nicht, ob es Kuhs oder Kuss heißt. Jetzt ist das klar.

  3. Mein Parteibuch sprach

    Ja, sicher kann man die Reform einfach bei der eigenen Schreibe ignorieren, so wie ich das tue. Aber trotzdem komme ich um diese plötzliche Änderung Dutzender von Regeln und Schreibweisen auf einen Schlag nicht herum.

    Die Papiermedien schreiben inzwischen glaube ich alle auf Neuschreib, mein Gehirn braucht aber das Lernen vom Lesen und so ist bei mir genau das passiert, was den meisten passiert ist - das nämlich mit der Zeit ein ziemlich bunter Misch-Masch entstanden ist. Ich fühle mich durch Neuschreib also der Sicherheit in meiner Schriftsprache beraubt.

    Bis nun der Misch-Massch zu einer Linie findet, möchte ich gar keine Änderung mehr außer denen, die durch das Volk entstehen. Änderungen, die von wild gewordenen Bürokraten wie ein 5-Jahres-Plan für die Zukunft beschlossen werden, will ich nie wieder sehen.

    Auf neue Experimente reagiere ich da inzwischen regelrecht sauer. Status quo ist das, wie derzeit geschrieben wird, und ich würde sogar soweit gehen, und auf das Anstreichen der alten Schreibweise wieder zu verzichten. Möglich wäre dann eben beides.

  4. Mein Parteibuch sprach

    @Tao: Ich bezweifle gar nicht, daß die Rechtschreibreform tendenziell gut ist für die, die die Sprache neu lernen. Da kann man sich gleich an die neue Variante gewöhnen. Nur für diejenigen, deren Muttersprache Deutsch ist, sieht das anders aus. Da ist einfach zuviel und zu schnell geändert worden.

  5. /dev/astator sprach

    Nach meiner Kenntnis sind von den Printmedien bisher die F.A.Z. (als erste), der Spiegel und der Axel Springer Verlag zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt: http://www.tage...16_REF2,00.html
    Gleiches tat der Deutsche Hochschulverband bereits im Jahr 2000: http://www.hoch...sse/pm1200.html

    @Tao: die Rechtschreibreform mag denen helfen, die schreiben und mit der Sprache (noch) nicht sehr vertraut sind. Die neue Regelung bzgl. ‘ß’ und ’ss’ ist für alle gut nachvollziehbar. Für jemanden, der viel liest, ergeben sich aber neue ärgerliche Probleme, insbesondere bei der Getrenntschreibung von bisher zusammengesetzten Verben, wo man dann glaubt, mitten im Satz auf ein Substantiv zu stoßen, wo keins hingehört. Und ich denke, die meisten Menschen lesen deutlich mehr, als sie schreiben. Zum Teil wird auch die Bedeutung von Sätzen geändert. Es ist z. B. ein Unterschied, ob ich sage: “Er soll es wiedergutmachen.” (Duden 1980) oder: “Er soll es wieder gutmachen.” (Duden 1999) oder “Er soll es wieder gut machen.” (Duden ????). In meinem neuesten (und letzten) Duden (1999, 21. Aufl.) gibt es dazu die Regel R37, die wahrscheinlich niemand kennt. Wo ist da die Vereinfachung?
    Die Ersetzung von ‘ph’ durch ‘f’ an vielen Stellen halte ich ebenfalls für unsinnig, da man spätestens im Englischen wieder auf die ‘ph’s stößt, z. B. bei ‘telephone’.
    Einige besonders krasse Folgen finden sich noch unter http://rechtsch...hstoerungen.pdf

  6. Mein Parteibuch sprach

    @/dev/astatos Die Ankündigung der Verlage, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, war eine Drohung, die nicht umgesetzt wurde, weil die Reform entgegen der ursprünglichen Planungen entschärft wurde.

    Schau einfach auf die Wewbseiten der von dir genannten Medien und du siehst, die neutzen inzwischen Neuschreib. Links dorthin finden sich hier auf dieser Seite in der rechten Leiste unter Newslinks.

  7. /dev/astator sprach

    Welt, Welt am Sonntag, Bild und FAZ schreiben auf ihren Webseiten definitiv “alt”. Such mal nach “daß” (bei der Bild schwer zu finden, weil die damit ihre Leser überfordern). Viele Medien, wie z. B. Der Spiegel, haben sich ihre eigene Schreibung aus alt und neu gebastelt. Die Details überlasse ich jetzt mal anderen:
    http://de.wikip...d_der_Umsetzung
    http://www.deut...hrt-zurueck.de/

  8. Mein Parteibuch sprach

    @/dev/astator: Stimmt, war schlampig recherchiert von mir. Habe nur schnell beim Spiegel “dass” und “müsste” gelesen und dann gedacht, das wäre gekippt. Also wäre der beste Ausweg, einfach beide Schreibweisen gemischt zuzulassen und die Reform so als ein Stück deutscher Sprachgeschichte natürlich in die Sprache zu integrieren.

    Damit würde ich dann auch wieder richtiger schreiben. :-)

  9. /dev/astator sprach

    Ja, aber würden andere deine Texte richtiger lesen? Es wäre schade, wenn eben der bisherige Vorteil der deutschen Schriftsprache, besonders feine Differenzierungen zu ermöglichen, verlorenginge (nicht verloren ginge).

    Ich überlege ja wie ich dem Nächst Recht schreibe und versuche mich Mal an der Neuen. Alles andere ist so wie so reakzionär und man sollte sich davon Distanz zieren.

  10. Mein Parteibuch » Blog Archive » Cat content: Das Weblog oder der Weblog sprach

    […] en-content/”>sich unter Bloggern auch bereits weit verbreitet. Laut Wortfeld schreibt die elitäre 23. Auflage des Dudens […]

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