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7. Juni 2005

Meine erste Abteilungsversammlung

von @ 23:55. abgelegt unter Tagebuch

Nun habe ich meine Parteigenossen aus meiner Abteilung, der Abteilung 5 des Bezirks 8, kennengelernt. Ziemlich früh bin ich da hin, so gegen 19:00h war ich schon da, obwohl die Versammlung erst um 19:30h beginnen sollte. Ich dachte mir, dass es interessant sei, vor und nach der offiziellen Sitzung noch ein paar Worte mit meinen neuen Parteifreunden, das Wort Genosse ist mir immer noch irgendwie fremd, zu wechseln. Auf der Versammlung waren wie in einer Fußballmannschaft nicht so viele, als dass man nicht jeden einzelnen hätte kennenlernen könnte, aber doch zu viele, um jeden einzelnen an einem Abend kennenzulernen. Überhaupt hat mich, warum auch immer, vieles an einen Fußballverein erinnert. Nett und umgänglich waren die Menschen - einfache starke Typen und dufte Frauen. Und ich bin wirklich mit offenen Armen empfangen worden.

Erfahren habe ich, dass unsere Abteilung diejenige mit dem stärksten Mitgliederzuwachs ist oder zumindest im Februar war, ja, unsere Abteilung wächst und schrumpft nicht, wie das der SPD insgesamt nachgesagt wird.

Zuerst mal kamen die Wahlen dran. Da ging alles streng nach Vorschrift, wer gewählt wurde, schien den meisten Parteifreunden weniger wichtig zu sein als dass alles seine Ordnung hatte. Und ich hatte das Gefühl, dass das nicht daran lag, dass ich als öffentlich Berichtender nun an der Versammlung teilgenommen habe, sondern dass da immer alles so korrekt abläuft.

Zur Versammlungsleitung wurde unser Abteilungsvorsitzende Dr. Fritz Felgentreu gewählt und ich hatte wirklich nicht den Eindruck, da wäre jemand neidisch auf ihn gewesen. So viele Vorschriftenzu beachten und bloß keinen formellen Fehler machen, sonst könnte irgendjemand die Wahl noch anfechten und alle müßten sich nochmal einen Abend für so ein Wahlprozedere zusammensetzen.

Nun habe ich auch in echt sehen können, was die Mandatsprüfungskommission macht, die hatte vermutlich die komplizierteste Aufgabe, nämlich zu kontrollieren, wer bei welcher Wahl stimmberechtigt war und wer nicht. Also wurden erstmal Personalausweise gezeigt und Parteibücher gecheckt, obwohl ich den Eindruck hatte, dass viele sich schon seit Jahrzehnten kannten. Gar nicht einfach, festzustellen, wer Deutsch ist, also zum Beispiel eingebürgert ist und die Staatsangehörigkeit auch nicht wieder aufgegeben hat, wer Ausländer ist, und wer gerade wo wohnt und gemeldet ist.

Als ein Mitglied der Zählkomission habe ich mich freiwillig gemeldet - wow, meine erste beinahe hoheitliche Aufgabe, und dann auch noch so eine wichtige. Nun würde also mein scharfer mathematischer Verstand die Richtigkeit von Sieg oder Niederlage eines Kandidaten garantieren. Also, gut aufpassen war angesagt. Und tatsächlich durfte ich bei jeder der folgenden Wahlen fortan die Stimmzettel mit einsammeln, mit auszählen, entziffern, was darauf zu lesen war, alles zusammenzählen und dann stolz das Ergebnis verkünden. Tatsächlich war das dann alles weit weniger spannend als mancher politisch Unbefleckte sich das vielleicht vorstellt, die vom Vorstand vorgeschlagenen oder favorisierten Kandidaten wurden jeweils mit überwältigender Mehrheit gewählt, so dass die Aufgabe der Zählkommission im wesentlichen darin bestand, zu zeigen dass sie in der Lage war, korrekt zu zählen und sich nicht damit zu blamieren, bei der Auszählung der Stimmen einen Fehler gemacht zu haben. Nun verstehe ich den Sinn von Wahlautomaten, die wohl woanders bei anderen Wahlen eingesetzt werden. Interessant war es für mich zu sehen, wie die Diskussion um die Aufstellung der Kandidaten zur Teilnahme an den Delegiertenversammlungen lief. Die war nicht geprägt von Konkurrenz und Wettbewerb der Kandidaten untereinander, sondern davon, wer sich dazu bereit erklären würde und am Tage der Versammlung keinen anderen wichtigen Termin hatte. Schließlich waren vor allem bei den Frauen auch beinahe so viele Kandidaten zu wählen wie anwesend waren.

Alles in allem war das ein wirklich guter Eindruck davon, wie Demokratie ganz unten an der Parteibasis funktioniert. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal selbst ein Bild davon zu machen.

Dann wurde der Wahlkampf besprochen, da geht es dann so zu, wie ich als Laie mir Wahlen und Wahlkampf vorgestellt habe. Die Besprechung glich dann einer taktischen Besprechung eines Fußballspiels vor dem Match Rot gegen Schwarz. Natürlich werde ich hier aus naheliegenden Gründen keine Details erzählen, nicht erzählen, welche Strategie sich unsere Abteilung beim Kampf um die besten Plätze für die Plakatwerbung in diesem Wahlkampf einfallen lassen hat und welche Aktionen wir noch durchführen werden.

Nur so viel sei verraten - ich werde dabei sein und hier darüber schreiben.

2 Kommentare zum Beitrag “Meine erste Abteilungsversammlung”

  1. Alexander Schmidt sprach

    Na da gratuliere ich aber. Derartige Vereinsarbeit ohne Kleintierzuchtgebrabbel habe ich auch schon erlebt, dachte damals auch, wie toll und wichtig das ist, jedoch merkt man dann irgendwann, wie weit entfernt diese Meierei von der lebenswirklichkeit der Menschen ist, denn wenn das Kapitel wir-überprüfen-unsere-Ausweise abgeschlossen ist, so ging es zumeist in die nächste Pizzereia und nach dem Genuß von einigen Bier wurde dann schon mal von Seiten einer Abgeordnetenhausmitgliedsdame festgestellt, wie verdammt wenig Geld sie doch verdienen würde, wodurch sich so mancher andere Abgeordnete im geschliffenen Politiker-Speak berufen fühlte, dem einfachen SPDler zu zeigen, wo der Hammer hängt, warum man mit den ehemaligen Gefängniswärtern der SPD-Genossen eine Koalition in Berlin eingehen sollte.
    Toll! Wirklich. Man fühlt sich so verdammt ernst genommen. Aber die schönsten Erlebnisse hast Du ja noch vor Dir: Besuche doch mal die JUSOS. Ein Spaß, kann ich Dir sagen: Die sind so verblendet, halten sich aber für den nabel der Welt. Berichte mir dann mal, ob die immer noch die verstaatlichung der Schlüsselindustrie fordern! Die sind wirklich eine bunte Truppe.
    Kein Wunder, daß Fr. Nahles heute so redet, wie sie damals sozialisiert wurde. Keine Ahnung haben, nie Arbeiter gewesen sein, aber dem Arbeiter zeigen wollen, was Glück ist.
    Vielen Dank - ich zog irgendwann dei Konsequenzen, denn antiliberales Verhalten brauche ich mir nicht gefallen zu lassen, da Freiheit immer vor dem Staat kommt und nicht ein Feigenblatt für die Bemäntelung des Ständestaates zu Lasten der Arbeiter sein darf und kann - wie in der SPD.

  2. Mein Parteibuch » Blog Archive » Mit dem SPD Infostand auf der Hermannstraße in Berlin Neukölln sprach

    […] Nach gut 90 Minuten hatten wir unsere Flugblätter, einige hundert an der Zahl, verteilt, von unserem Wahlprogramm, das wir, weil es doch etwas umfangreicher ist, nur bei besonderem Interesse dazugaben, behielten wir einige Exemplare übrig. Nach dem Abbau hat uns unser Abteilungs- und Bezirksvorsitzender Fritz Felgentreu noch auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Da haben wir dann darüber geredet, wie die Aktion gelaufen ist. Einige meinten, etwas ruhig wäre es auf der Straße gewesen - Urlaubszeit eben. Und es wurde darüber gerdet, dass auch heute wieder von einigen Passanten das obligatorische Ihr-laßt-Euch-ja-nur-im-Wahlkampf-hier-blicken gesagt wurde, obwohl unsere Abteilung auch wenn kein Wahlkampf ist, fast jeden Monat einen Infostand auf der Hermannstraße hat. Aber der Fritz, der hat nachher noch einen Satz gesagt, an den ich mich wohl noch länger erinnern werde: die politische Stimmung könne man ganz gut daran erkennen, wie viele Menschen unsere Flugblätter entgegennehmen. Ich meine, heute waren das viele und die Menschen waren sehr aufgeschlossen, das macht mir Hoffnung. [Trackback URI]    [Permalink] […]

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