Der Einzelhandel erwartet schon im Laufe des nächsten Jahres steigende Preise. Die die Mehrwertsteuererhöhung begleitende allgemeine Inflation wird uns demnach schon nächstes Jahr treffen. Dabei liegen wir derzeit mit 2,5% ölpreisgetriebener Inflationsrate schon so hoch wie lange nicht mehr. Ich bin mal gespant, ob die EZB auf die Inflation reagiert - wenn, dann droht da gleich wieder ein neues gigantisches Haushaltsloch, weil damit auch die Zinsen für die Bundesschuld steigen.
Wie die Verbraucher reagieren, kann ich mir jetzt schon vorstellen. Wen die Wähler in Berlin nächstes Jahr im September für de Inflation verantwortlich machen werden, kann ich mir auch schon vorstellen.
![]() |
| Berlin - Hamburg |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
[19 queries. 2.551 seconds. 8 level2 caches. Top ]
Das bemerkenswerte in Sachen “Große Koalition” ist, dass sich so viele Menschen sicher sind, dass das nur in die Hose gehen kann (die Regierung, die Wirtschaft, ach das ganze Land - alles hoffnungslos). Wenn diese “Große Koalition” an der Börse gehandelt würde, dann wären die Short-Optionsscheine auf dem Weg zu astronomischen Summen, Leerverkäufer würden das Papier noch zu Ramschpreisen verscherbeln.
Das Dumme an solchen “Geschäften” ist aber zumeist: wenn sich die Masse der Menschen auf eine solche Sache stürzt, geht der Schuß nach hinten los. So wie viele vor der Wahl diese Konstellation herbeigesehnt haben und jetzt schon der Meinung sind, dass alles nichts taugt, werden sich die Leute noch verwundert die Augen reiben. Diese negative Stimmung ist genauso temporär wie manche Hochgefühle, die sich nach einiger Zeit in Wohlgefallen auflösen.
Die Damen und Herren dieser Regierung dürfen nur nicht den Fehler machen, sich von dieser üblen Laune anstecken zu lassen, sondern einfach die begonnene Arbeit weiterführen (es hat ja ohnehin den Anschein, dass die derzeitige Stimmung die Herrschaften zusammenschweißt, oder ist das nur Einbildung?). Die Hiobsbotschaften sind verkündet. Ein bisschen Inflation droht (womit man schon des öfteren, wenn auch nicht in diesem Land der engstirnigen Stabilitätsdenke, das Kapital “aus den Strümpfen” gelockt hat). Dann wird “über Nacht” ein positiver Effekt nach dem anderen wirksam. Und damit wird sich diese düstere Stimmung langsam aber sicher drehen.
Das hier beschriebene mag bei manchen Kopfschütteln hervorrufen - aber vielleicht genau bei diesen Leuten, die noch im Jahr 2000 Aktien von Firmen gekauft haben, deren Namen sie nicht einmal buchstabieren konnten oder von denen sie nur erfahren hatten, dass die Firmen etwas mit Computern oder dem Internet zu tun hatten. Das sind diejenigen, die jetzt bei der Nennung der Börse ausspucken - und beim nächstenmal wieder hinterher rennen.
@Andrea
Ich wundere mich, dass ausgerechnet ich als Sozi mir nun von rechts her anhören muß, ein bißchen mehr Inflation würde uns ganz gut tun. Auch wundere ich mich über den Vorschlag von rechts, dass ein Konjunkturprogramm in Zeiten des Huashaltsnotstandes die richtige wirtschaftspolitische Maßnahme ist. Keynesianer würden sich freuen. Und damit die Stimmung auch ja nicht schlecht wird, werden in bester Kohl’scher Manier alle Lobbyisten bedient. Doch die finanzielle Rechnung wird nicht aufgehen, und das ist eigentlich allen Finanzpolitikern auch jetzt schon klar.
Natürlich kann man so Politik machen und wenn wir nur genug neue Schulden machen, wird das Volk sich auch gut fühlen. Wenn wir weiter jedes Jahr 3-4% BIP neue Schulden machen, dann wird das noch 10 oder sogar 20 Jahre dauern, bis wir die Auswirkungen dramatisch spüren. Wir sind auf bestem Weg in die Überschuldung.
Ich mache der Politik nicht die bitteren Pillen zum Vorwurf, sondern mache ihr zum Vorwurf, dass sie 2006 einen verfassungswidrigen Haushalt volegt, und anstelle dessen, dass sie gegen die Lobby-Interessen Strukturreformen durchsetzt, alle Lobbyinteressen bedient. Anstelle, dass Steuerschlupflöcher geschlossen werden, werden neue aufgerissen. Anstelle, dass die Steuerfahndung verbessert wird, wird die Mehrwertsteuer erhöht. Zur Korruptionsbekämpfung findet sich ebenso wie zur Gesundheit nichts.
Diese Koalition nutzt ihre breite Mehrheit nicht dazu, um Entscheidungen im Gesamtinteresse gegen partikuläre Einzelinteressen durchzuboxen, sondern dazu, um alle Einzelinteressen der Lobbygruppen gegen das Gesamtinteresse durchzuboxen.
Deshalb glaube ich nicht, dass diese Koalition ein Erfolg ist.
Den vorletzten Absatz würde ich unterschreiben. Aber manchmal kommen mir auch ganz fatalistische Gedanken: Deutschland ist ja nicht die einzige Schuldennation. Wenn irgendwann das auf Schulden und Hoffnung gebaute Gerüst der kapitalistischen Staaten zusammenbricht, dann nützt es und wenig, wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt haben. Wobei zwischen “ausgeglichen” und “Schuldenabbau” noch ein grosser Schritt liegt.
@tim
So schnell bricht das Gerüst der kapitalistischen Staaten nicht zusammen, ich meine das System würde sogar eine galoppierende Hyperinflation des Euro oder des Dollar überleben. Wenn den Amerikanern ihre Währung davonläuft, dann wird der Euro neue Leitwährung, und neben dem Schmerz des Verlustes einiger Investmets in den USA werden wir davon auch profitieren, da die Nachfrage nach Investments in Euro dann steigen würde. Wird der Euro hyperinflationär, dann profitiert der Dollar.
Sollte die Zentralbank stark genug sein, um die Stabilität des Geldes über das Ziel der Bedienung der staatlichen Verpflichtungen sein, dann werden Banken eben folglich Überweisungsaufträge des Staates einfach nicht ausführen, wenn sie nicht gedeckt sind. In einem solchen Fall muß die Politik sich dann entscheiden, ob sie im laufenden Monat lieber Polizisten oder Richter bezahlen will, ob sie lieber Sozialhilfe oder Rente bezahlen will.
Auf dem Weg bis zum Kippen der Währung dürfen wir uns über alle “Errungenschaften” von Entwicklungsländern freuen: einer korrupten Politik, Polizei, Justiz, nicht funktionierendem Bildungswesen, Gesundheitswesen, nicht ausgezahlte Renten- und Sozialleistungen.
Spannend fände ich den Fall, wenn ein Land wie Deutschland mit einem Notstandsgesetz beschließen würde, Staatsschulden nicht mehr zu bedienen und gleichzeitig die Verfassung so ändern würde, dass es in Deutschland nicht auf Auszahlung verklagt werden könnte. Der Politik wäre damit die Möglichkeit genommen, neue Schulden zu machen. Andererseits wären natürlich diejenigen angeschmiert, die im Vertrauen auf den Staat die Kredite gegeben hätten. Das Ausland läuft dann ein Jahrhundert dem Geld hinterher.
@Marcel:
jaja, von Ihrer Linksaußen-Position gesehen, bin ich, da ich der Mitte angehöre, “rechts”. Eine merkwürdige Betrachtungsweise. Und da Sie gerne die Menschen in Schubladen stecken, muß man kein Prophet sein um zu orakeln, dass Sie sich in Ihrem Leben sicher noch oft wundern werden.
@tim:
“Wenn irgendwann das auf Schulden und Hoffnung gebaute Gerüst der kapitalistischen Staaten zusammenbricht, dann nützt es und wenig, wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt haben”
Wenn man das “kapitalistische System”, wie es der uns nachgesagten Mentalität entsprechen würde, einbetoniert und einsperrt, dann existieren diese Gefahren ohne jeden Zweifel. Wenn man Stabilität nur begreift, indem man die Inflation so gering wie möglich hält, wird man dieses System weder richtig nutzen noch es begreifen können. Man stelle sich aber Situationen vor, in denen der “Wert” der Schulden abnimmt (horribile dictu!) und eine kleine Inflation wie ein kräftiges Frühlingssönnchen auf den festgefrorenen stabilen deutschen Währungs- und Wirtschaftsboden fällt - dann sind die Dinge plötzlich in Bewegung. Natürlich schmelzen bei der Gelegenheit auch des Deutschen liebste “Geldanlage” (das Sparbuch), aber das wird so manchen aus seinem Verschlag treiben, der nicht nach dem Motto lebt: “Wer Geld wegschließt oder vergräbt gehört mit Inflation nicht unter 10% bestraft.”
@Andrea
Darf ich fragen, welcher Partei oder politischen Richtung Sie nahestehen?
“eine kleine Inflation wie ein kräftiges Frühlingssönnchen” habe ich bisher nur von Kommunisten gehört. Die Leute schließen ihr Geld dann eben im Ausland weg.
Marcel, eine Entscheidung ist gefragt: Soll die liebe Andrea nun Kommunistin oder Rechtsradikal sein ???
Bartels schrieb:
> Darf ich fragen, welcher Partei oder politischen Richtung Sie nahestehen?
Das hast Du in Deiner unnachahmlichen Art doch schon beschlossen: Andrea ist “rechts”.
> “eine kleine Inflation wie ein kräftiges Frühlingssönnchen” habe ich bisher nur von
> Kommunisten gehört.
Geld muß nicht unbedingt stabil sein. Je schneller es seinen Wert verliert, desto schneller geben die Leute es aus und führen es so wieder dem reislauf der Wirtschaft zu. Genau das ist es, was derzeit hierzulande schiefläuft: wer Geld hat, behält und mehrt es. Hohe Sparquote, lahmende Binnenkonjuktur.
> Die Leute schließen ihr Geld dann eben im Ausland weg.
In einer anderen Diskussion hast Du mir gesagt, daß Einkommen dort versteuert werden sollen, wo sie erwirtschaftet werden, damit ich nicht mit meinem Vermögen und meinem Einkommen ins Ausland steuerflüchte. Jetzt argumentierst Du genau damit.
Du mußt Dich schon entscheiden.
@Luke
>Geld muß nicht unbedingt stabil sein.
Der Witz ist gut. Das meinst Du doch nicht ernst, oder? Geld verliert seine Eigenschaft Geld zu sein, wenn es nicht stabil ist. Die klassischen Geldfunktionen sind Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit. Die Menschen weichen dann auf andere Dinge als Geld aus, die die Geldfunktion erfüllen, wenn das staatliche Geld die Geldfunktionen nicht erfüllt. Der Wert des Geldes beruht auf nichts anderem als Vertrauen darauf, dass es die Geldfunktionen auch in Zukunft erfüllt.
Dass solltest Du als Liberaler - (Du bist doch Liberaler, oder ?), mal als Antrag auf einer Versammlung der FDP einbringen. Oder ins Wahlprogramm schreiben. Liberale pro Inflation. Warum nicht gleich die Wiedereinführung der DDR Mark?
Was die Flucht angeht, so gibt es einen Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. Geldvermögen lassen sich tatsächlich leicht transferieren - Einkommen, dass an der Quelle besteuert wird, läßt sich nicht so ohne weiteres verlegen - schließlich müßte dazu der Betrieb verlegt werden.
@2:
1.) Keynesianer würden sich eben nicht freuen!
Keynes ist bei seiner Analyse stets von einem gut bestückten Haushalt ausgegangen, schlicht und einfach deshalb, weil ein Defizit des Staates zu seiner Zeit gar nicht vorstellbar war.
Also kann aus der Theorie von JMKeynes für den derzeitigen Anwendungsbereich gar nichts geschlossen werden, da die elementarste Voraussetzung seiner Theorie gar nicht gegeben ist. Reine Keynesianer können derzeit zur Diskussion gar nichts beitragen.
2.) Spüren wir nicht bereits heute die Folgen der Verschuldung ganz dramatisch? Worüber gehts denn eigentlich in Ihrem Blog? Doch eigentlich genau darum.
@4: Das Gerüst der Staaten ist genaugenommen bereits zusammengebrochen, zumindst in wirtschaftlicher Hinsicht. Wie sonst wäre es zu erklären, daß offenbar Regierungen keine wirtschaftliche Lenkungswirkung in ihrem eigenen Land entfachen können? Stattdessen werden die Regierungen von den multinationalen Konzernen geradezu erpreßt , Bedingungen zu schaffen, die den Interessen der Konzerne dienen - eine Gegenleistung wird nicht erbracht (letztes Beispiel: Ausbildungspakt: “Die Industrie” hat kräftig das Gesetz kritisiert, sie macht das in Eigenregie viel besser und wieviele Ausbildungsplätze fehlen heute?).
Die nationalen Zentralbanken sind in Euroland bereits heute (”freiwillig”) entmachtet, wogegen die Europäische Zentralbank über einen viel zu heterogenen Wirtschaftsraum zu entscheiden hat. Beispiel: Einheitlicher Leitzins in ganz Europa - der ist definitiv nicht angebracht. Wären die Wirtschaftsräume getrennt, dann hätte Irland sicher einen anderen Leitzins als Portugal oder Deutschland - und das aus gutem Grund.
> Das Ausland läuft dann ein Jahrhundert dem Geld hinterher.
Genau in dieser Situation sind wir doch. Es wird doch mit deutschen Uraltanleihen spekuliert und Prozesse zum Thema laufen….
@5/@8: Sehr richtig. Weg mit dem bösen Inflationsgespenst!
Inflation ist nicht per se von Übel. (Maßvolle!) Inflation regt den Konsum an, weil sich das Sparen nicht mehr lohnt? Im neoklassischen Modell geht sogar die Inflation automatisch hoch, wenn die Konjunktur zu boomen beginnt - übertriebene Inflationshemmung ist innerhalb dieses Modells konjunkturschädlich!
Nur sc****e, wenn der Staat bei anziehender Inflation so hoch verschuldet ist, daß aus dem Steueraufkommen die Zinszahlungen nicht mehr finanziert werden können. Und genau da liegt eine Motivation für den “Stabilitätspakt”: Die Staaten wollen den Status quo lange als möglich halten - dann muß man nicht denken.
@9:
> Geld verliert seine Eigenschaft Geld zu sein, wenn es nicht stabil ist.
Ein schöner Satz.
Schönes Wetter verliert seine Eigenschaft schönes Wetter zu sein, wenn es regnet.
Auch ein schöner Satz.
Geld ist definitiv nicht stabil:
Du hast eine sehr wichtige Eigenschaft vergessen, nämlich die, Waren anhand Ihres Geldwertes vergleichen zu können. Da der Warenmarkt nicht stabil ist (es kommen ja täglich neue Waren dazu, z.B. erst Walkmen, dann Discmen, dann MP3Player ….), kann automatisch der “Wert” des Geldes nicht stabil sein.
Relationen verschieben sich, es können Äpfel mit Fotohandys verglichen werden, also essentielle Dinge mit Dingen, die die Welt nicht braucht. Der Preis oder Wert einer Ware ist eine Momentaufnahme und sehr sehr unstabil.
Was ist denn der dem Geld innewohnende Gehalt, der den Wert bestimmt und an dem man die Stabilität messen kann?
Schwierige Frage, an der sich viele die Zähne ausgebissen haben. Aber interessant, daß Sie immer mehr in die Richtung von Marx gehen, aber nie vergessen: der ist doch aus dem vorletzten Jahrhundert
- wie übrigens auch Keynes !
Recht lebhaft hier
Gut so.
Da ich Marcels Frage nach meiner politischen Gesinnung bereits vor Wochen beantwortet habe, werde ich darauf nicht mehr eingehen.
zu #9 (natürlich @Marcel, wobei ich mir die Frage stelle, ob es der einzige hier Verliebene ist, der aus -Schublade auf- “Mitte-Links” kommt?! Wär schade…)
Ein paar Thesen sind dort zu finden, die interessanterweise von vielen Menschen dem Geld zugeschrieben werden, die sich bei genauerem Hinsehen als zumindest problematisch entpuppen.
“Geld verliert seine Eigenschaft Geld zu sein, wenn es nicht stabil ist.”
Grundsätzlich ist es nicht dumm, eine gewisse “Stabilität” zu haben. Wenn morgen der 10-fache Betrag für ein Brötchen hinzublättern wäre, übermorgen der 100-fache… das Vertrauen wäre dahin. Wenn sich dieser Prozeß über einen längeren Zeitraum hinzieht, taugt es höchstens für die nostalgische Rückbetrachtung (a la “Vor 20 Jahren hat mich die Kugel Eis 20 Pfennig gekostet, heute zahl ich 1 Euro!” - was de facto einer Verzehnfachung des Preises entspricht), aber es wird hingenommen. Dennoch sprach man von einer stabilen D-Mark und man spricht heute von einem stabilen Euro. Merkwürdig. Stabilität sollte doch bedeuten, dass sich der Wert eines Gutes nicht ändert. Das entspricht aber nicht der Realität. Es erklärt sich aber im Zusammenhang mit anderen Währungen, die noch viel schneller an Wert verloren haben, als “unsere” Währung. Und dem Phänomen, dass unser Gedächtnis schleichende Prozesse weit undeutlicher wahrnimmt als schnelle Bewegungen. Die Stabilität ist ein subjektives Empfinden eines relativ kurzen Zeitraums - mittel und langfristig aber eine Illusion.
“Die klassischen Geldfunktionen sind Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit.”
Geld ist Zahlungsmittel (oder besser: Tauschmittel). Natürlich. Es ist auch eine Recheneinheit - aber es gibt in dieser Recheneinheit keine Konstanten. Alles ist in diesem Bereich variabel. Zum einen “floaten” die Währungen untereinander, wobei manche Währungen über lange Zeiträume im Verhältnis zu unserer Währung stets an Wert verlieren, andere mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten mal mehr, mal weniger wert sind. Zum anderen ist innerhalb eines (zumindest unseres) Währungsraumes kein Gut an einen festen Preis gekoppelt. Das (und nur das) würde einen Rückschluß auf eine konstante Recheneinheit zulassen.
Es ist sicher auch Wertaufbewahrungsmittel, wobei das nur insoweit stimmt, wenn es so “aufbewahrt” wird, dass es mindestens den Profit abwirft, den die “normale” (subjektiv: erträgliche) Inflation auffrißt. Das kann es aber nur, wenn es am Markt profitabel eingesetzt wird - was für den Sparbuchinhaber tunlichst von der Bank zu übernehmen ist. Wenn es wirklich nur aufbewahrt wird, muß es an Wert verlieren.
“Die Menschen weichen dann auf andere Dinge als Geld aus, die die Geldfunktion erfüllen, wenn das staatliche Geld die Geldfunktionen nicht erfüllt”
Da gibt es nur zwei Möglichkeiten, die vergleichsweise untauglich sind.
Zum einen der Markt ohne Währung, also das direkte Tauschgeschäft: eine Notgeburt in chaotischen Zeiten - vollkommen unübersichtlich und deshalb den brutalsten Schwankungen unterworfen. Jeder (außer dem geschickten Händler) ist froh, wenn eine solche Zeit vorbei ist.
Zum anderen das alternative “Wertaufbewahrungmittel” (beispielsweise Gold): da es, wie jedes andere Gut, den Marktgesetzen unterworfen ist und immer wieder gerne als DAS Wundermittel für schlechte Zeiten hervorgezerrt wird. Eine schöne Geschichte, die von Generation zu Generation weitergetragen wird - heute allerdings ohne realen Zusammenhang
- da Gold nur noch in geringem Maß in der industriellen Fertigung eingesetzt wird
- keine vernünftige Währung der Welt an Gold gekoppelt ist (überhaupt noch eine?)
- Gold immer wieder brav an der Börse emporklettert… um “über Nacht” in sich zusammenzufallen… von “Konstanz” kann keine Rede sein.
“Der Wert des Geldes beruht auf nichts anderem als Vertrauen darauf, dass es die Geldfunktionen auch in Zukunft erfüllt.”
Genau. Im Rahmen der beschriebenen, von jedem Einzelnen hinzunehmenden und völlig normalen Wertverluste.
Da es keine andere Funktion hat, als gegen etwas anderes getauscht zu werden, ist seine Bestimmung, dass es an Wert verliert wenn es NICHT getauscht wird und (idealerweise) einen Profit abwirft.
@andrea: Ihr letzter Absatz sagt alles sehr schön:
Inflation ist DER Anreiz zum Geldausgeben und sollte daher auch zur Steuerung der Sparquote genutzt werden können - wenn die Regierungen bzw. die Zentralbanken dieses Instrument überhaupt noch nutzen könnten!
Es hat mal jemand ausgerechnet, daß wir, wenn unsere Sparquote halbiert würde (und damit ungefähr auf britischem Niveau läge) das einem Wirtschaftsprogramm entsprechen würde, das deutlich mehr ist als die 35Mrd (oder 25?) in 4 Jahren, die jetzt beschlossen wurden.
Übrigens kommt man bei Zins-Inflationsdifferenz von 1% bei einer Inflation von 3,5% deutlich eher in die Zone , wo die Steuer zuschlägt als bei 1,5% - ein weiterer Anreiz, das Geld nicht mehr zu sparen sondern auszugeben.
Die Argumentation des Stabilitätspakts, niedrige SCHULD-Zinsen würden die Industrie entlasten, ist zwar soweit korrekt, aber da “die (böse) Industrie” bekanntlich nicht an die Interessen der Gesellschaft denkt sondern an die der Aktionäre, kann das nicht zur Wirtschaftsankurbelung führen. Also auch dieses Ziel war für Deutschland kontraproduktiv - für Süditalien nicht so sehr.
Insofern ist der Stabilitätspakt einer der Gründe für unsere hohe Sparquote und damit verantwortlich dafür, daß unsere Binnenkonjunktur lahmt. Wir sollten uns durchaus die Freiheit nehmen, ihn im Inflationsziel zu verletzen.
@MaxR
Bei Keynesianern ist per definitio die Haushaltslage heute so gut, dass sie ein defiit spending erlaubt. Wer zuerst Überschüsse erwirtschaften will, und nur diese dann bereit ist, zur Konjunktursteuerung einzusetzen, wird von Keynesianern nicht anerkannt.
Dass wir heute die dramatischen Folgen der steigenden Verschuldung bereits erleben, und ein Großteil der Probleme, die wir heute haben, Folge dieser Mißwirtschaft der Vergangenheit ist, sehe ich auch so.
@Andrea
Schreiben Sie mal einen Brief an Oskar Lafontaine. Was die geldpolitischen Ansichten angeht, passen Sie gut zu ihm. Wenn so Leute wie Sie hier das Sagen bekämen, würde ich mein Geld in stabilen Fremdwährungen anlegen und wäre nur bereit, Verträge, bei denen ich Zahlen muß, in der Inflationswährung zu akzeptieren.
Ich stelle mir dabei zum Beispiel vor, die IG Metall würde Löhne in Schweizer Franken oder einem Währungskorb stabiler Währungen einfordern. Nicht Gold ist die Alternative, sondern die Benutzung fremder Währungen. Dass dies gravierende Nachteile für die eigene Wirtschaft hat, davon können all die Länder mit schleichender Inflation ein Lied singen, die wegen der Stabilität unbedingt den Euro wollten.
Praktisch führt eine mäßige Inflation, wie Sie sie hier fordern, aufgrund des Währungsrisikos erstmal zu steigenden Realzinsen und Kapitalmangel.
Es macht ja keinen Sinn, mich aufgrund der geschilderten Ansicht über Währungen zu Herrn Lafontaine schieben zu wollen. Um es für Sie richtig “erschreckend” zu machen (vielleicht ergeben sich dann ein paar neue Feindbilder): ich habe meine bescheidenen Kenntnisse aus der Schnittmenge Greenspan / Kostolany (huch, eine ganz andere Ecke…)- und die stehen in gleichem Verhältnis wie Tag und Nacht zu dem ahnungslosen Herrn Lafontaine. Ein paar eigene Erfahrungen (ca. 20 Jahre Auseinandersetzung u.a. mit den Geschehnissen an den Börsen) runden diese Kenntnisse ab. Und dabei stolpert man über die unterschiedlichen Methoden und Maßnahmen der Notenbanken - und man lernt die Vergleiche zwischen (vormals) deutscher und amerikanischer Geldpolitik kennen.
Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der Sie ständig neue Schubladen basteln, sollten Sie Schreiner werden.
@Andrea:
Handwerk hat ja bekanntlich goldenen Boden.
Bartels schrieb:
> Der Wert des Geldes beruht auf nichts anderem als Vertrauen darauf, dass es die
> Geldfunktionen auch in Zukunft erfüllt.
In der Tat: es gilt, Maß zu halten. Einerseits ist eine gewisse Inflation wünschenswert, um das Geld zur Bewegung zu animieren. Andererseits darf aber die Inflation natürlich auch nicht so groß sein, daß das Vertrauen in die Stabilität verlorengeht.
> Dass solltest Du als Liberaler - (Du bist doch Liberaler, oder ?)
Ach, das ist ein Kreuz mit den Schubladen. Den Liberalen bin ich zu konservativ, den Konservativen zu sozialdemokratisch, und den Sozen zu liberal. Das ist langweilig.
[…] Geldmarktfonds gehören zu den sicheren Formen der Geldanlage. Durch die in Deutschland einzig zulässige Konzeption als Sondervermögen der begebenden Fondsgesellschaft sind die Gelder der Kunden selbst im unwahrscheinlichen Fall einer Insolvenz geschützt und das Anlageverhalten der Geldmarktfonds trägt sein übriges zur Sicherheit bei. So investieren reine Geldmarktfonds nur in festverzinsliche Wertpapiere und reine Geldmarkttitel wie zum Beispiel Sichtguthaben und kurzfristige Termingelder bei Banken. Da alle diese Anlageformen eine feste Verzinsung haben, ist es für einen Geldmarktfonds so gut wie unmöglich, Verluste zu erwirtschaften – immer vorausgesetzt, man berücksichtigt die Verwaltungskosten eines solchen Fonds. Diese können nämlich als einziges dazu führen, dass ein Geldmarktfonds bei minimal positiver Rendite im eigentlichen Anlagegeschäft nach Belastung mit den Verwaltungs- und Managementgebühren leicht in die Verlustzone rutschen kann. Interessant ist es, das Anlageverhalten der als sicherheitsorientiert geltenden Sparer und Anleger in Deutschland zu beobachten. Der regelmäßig veröffentlichten Statistik über Mittelzuflüsse bei Publikumsfonds ist zu entnehmen, dass alleine im 2. Quartal 2006 mehr als 3,6 Milliarden Euro Anlegergelder in Geldmarktfonds geflossen sind. Und das in einem Jahr, in dem der deutsche Aktienindex DAX mehr als 20 Prozent zulegen konnte. Insgesamt verwalteten Geldmarktfonds zum Ende des 2. Quartals 2006 damit fast 75 Milliarden Euro Fondsvermögen. Doch betrachtet man die erzielten Renditen ausgewählter Fonds, so ist das Verhalten der Anleger nur schwer nachvollziehbar. Im Dreijahresvergleich brachte es einer der besten Geldmarktfonds, der H & A Universal-Geldmarkt auf eine Gesamtrendite von 7,2 Prozent, also rund 2,4 Prozent pro Jahr. Vor Steuern wohlgemerkt! Da die Gewinne aus Geldmarktfonds fast ausschließlich aus Zinserträgen stammen, sind sie nach Ausschöpfung des Sparerfreibetrages uneingeschränkt mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Bei einem Spitzensteuersatz von 44,3% inkl. Solidaritätszuschlag verbleibt dem Anleger somit bei unserem Fonds gerade einmal 1,34 Prozent Nachsteuerrendite pro Jahr. Gemäß den Daten des Statistischen Bundesamtes betrug die Inflationsrate 2005 rund 2,0 Prozent und 2006 rund 1,7 Prozent. Im Durchschnitt beider Jahre kommt man so auf einen Mittelwert von 1,85 Prozent pro Jahr. Stellt man jetzt einmal die Nachsteuerrendite des Geldmarktfonds aus unserem Beispiel gegenüber, ergibt sich pro Jahr eine inflationsbereinigte Rendite von – 0,51 Prozent. Und das obwohl die Inflation der letzten Jahre deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 2,5 bis 3 Prozent pro Jahr liegt und schon über erste Anzeichen für ein Anheizen der Inflation unter anderem durch die erfolgte Mehrwertsteuererhöhung spekuliert wird. Andere Seiten berichten hingegen von einer Stagnation der Inflationsrate wie es die Zeitschrift „Die Zeit“ in ihrem Blog unter „Sensationell niedrige Inflation im Januar“ berichtet. Aber steigende oder gleich bleibende Inflation hin oder her, angesichts der oben berechneten Zahlen ist es mehr als erstaunlich, was Anleger und Sparer zu einem solchen Ansturm auf Geldmarktfonds bewegt. Schon die Anlage in Tagesgeld oder Festgeld hätte den Anlegern im selben Zeitraum gemäß den Zinstabellen der FMH Finanzberatung im Optimalfall eine jährliche Vorsteuerrendite von 3,04 Prozent beim Tagesgeld bzw. 3,87 Prozent beim Festgeld eingebracht. Das sind im Bestfall immerhin stolze 61 Prozent mehr, als einer der besten Geldmarktfonds geschafft hat. Selbst im ungünstigsten Fall eines Spitzensteuersatzes wie oben beschrieben, verbleibt somit eine Nachsteuerrendite von 2,16 Prozent und damit auch inflationsbereinigt ein positives Ergebnis. Im Fazit lässt sich also festhalten, dass Tagesgeld und Festgeld der Geldanlage in Geldmarktfonds in den letzten drei Jahren um bis zu 60 Prozent überlegen waren. Und trotzdem schaufeln deutsche Anleger weiter fleißig Geld in eine Sparform, die ihnen – zumindest derzeit – eine negative inflationsbereinigte Rendite bringt. Das verstehe, wer will, aber wer vorher drüber nachdenkt, wird es sicher nicht verstehen. […]